Forschungszulage verstehen

Glossar — alle Fachbegriffe erklärt

Von Bemessungsgrundlage bis Vollzeitäquivalent: Hier finden Sie alle wichtigen Begriffe rund um Forschungszulage, BSFZ-Antrag und FuE-Förderung — verständlich erklärt.

A B F G I K L U V Z
A
Arbeitgeberanteil Sozialversicherung AG-SV § 3 Abs. 1 FZulG
Der Anteil, den der Arbeitgeber zur Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosenversicherung) beiträgt. Bei der Forschungszulage sind die Lohnkosten als Bemessungsgrundlage anzusetzen: Bruttolohn plus AG-SV-Anteil.
💡 Daumenregel: AG-SV ≈ 20–22 % des Bruttolohns. Wird im Portal automatisch berechnet wenn Sie das Bruttogehalt eintragen.
Auftragsforschung § 3 Abs. 3 FZulG
FuE-Leistungen, die ein Unternehmen extern bei einem Forschungsdienstleister oder einer Hochschule in Auftrag gibt. Auftragsforschung ist zu 70 % förderfähig (der Auftraggeber kann 70 % der Vergütung als Bemessungsgrundlage ansetzen). Wichtig: Der Auftragnehmer darf die gleichen Kosten nicht nochmals ansetzen.
💡 Auftragsforschung an EU-/EWR-ansässige Partner ist förderfähig. Offshore-Dienstleister nicht.
AGVO AGVO
Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung der EU. Regelt, welche staatlichen Beihilfen ohne vorherige Notifizierung bei der EU-Kommission gewährt werden dürfen. Die Forschungszulage ist als Steuervergünstigung eine Beihilfe — sie muss AGVO-konform sein. Relevant besonders für KMU-Definition und Unternehmen in Schwierigkeiten.
B
Bemessungsgrundlage § 3 FZulG
Die Summe der förderfähigen FuE-Aufwendungen (Personalkosten + 20 % Gemeinkostenpauschale + Auftragsforschung × 70 %), auf die der Fördersatz angewendet wird. Ab 2026 gilt eine Obergrenze von 12 Mio. € pro Jahr (zuvor 10 Mio. €). Der maximale Förderbetrag beträgt damit 4,2 Mio. € für KMU (35 % × 12 Mio. €).
💡 Mehrere verbundene Unternehmen teilen sich die 12-Mio.-€-Grenze. Prüfen Sie den KMU-Status inklusive verbundener Unternehmen.
Bescheinigungsstelle Forschungszulage BSFZ
Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingerichtete Behörde, die prüft ob ein Forschungsprojekt die Kriterien des FZulG erfüllt. Ohne BSFZ-Bescheinigung kann keine Forschungszulage beantragt werden. Die BSFZ ist erreichbar unter bsfz.de.
💡 Der BSFZ-Antrag muss vor der steuerlichen Geltendmachung gestellt werden. Rückwirkend ist möglich — aber an Fristen gebunden.
F
Frascati-Kriterien
Die fünf Kriterien nach OECD-Frascati-Handbuch, die definieren, was als Forschung und Entwicklung im Sinne des FZulG gilt. Ein Projekt muss alle fünf Kriterien erfüllen: (1) Neuartig — Ergebnis war vorher nicht bekannt; (2) Schöpferisch — Geistige Leistung des Forschers, nicht Routinearbeit; (3) Ungewiss — Erfolg ist nicht sicher; (4) Systematisch — Planmäßige Vorgehensweise, Dokumentation; (5) Übertragbar und/oder reproduzierbar.
💡 Das schwächste Kriterium in der Praxis ist "Neuartig". Nicht weltneues Wissen ist gemeint — neu für das Unternehmen und den Fachbereich genügt.
Forschungszulagengesetz FZulG
Das Bundesgesetz (in Kraft seit 1. Januar 2020), das die steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Deutschland regelt. Zuletzt geändert durch das Jahressteuergesetz 2024 mit erheblichen Verbesserungen ab 2026 (Investitionsbooster, höhere Bemessungsgrundlage, Gemeinkostenpauschale).
Forschung und Entwicklung FuE
Systematische, auf Wissenserweiterung ausgerichtete kreative Arbeit. Unterschieden wird in: Grundlagenforschung (keine direkte Anwendung), angewandte Forschung (bestimmtes Ziel, aber noch Grundlagencharakter) und experimentelle Entwicklung (Entwicklung neuer Produkte, Verfahren, Systeme — auch Software). Für die Forschungszulage ist vor allem die experimentelle Entwicklung relevant.
Förderfähige Aufwendungen § 3 FZulG
Die Kosten, die in die Bemessungsgrundlage eingehen dürfen: (1) Eigenpersonal: Bruttolohn + AG-SV-Anteil der Mitarbeiter, die an FuE-Projekten arbeiten, anteilig nach Stunden. (2) Gemeinkostenpauschale: ab 2026 pauschal 20 % der Personalkosten. (3) Auftragsforschung: 70 % der Vergütung an externe Partner. Nicht förderfähig: Materialkosten, Geräte, Reisekosten, Overheads.
G
Gemeinkostenpauschale § 3 Abs. 3b FZulG (ab 2026)
Ab 1. Januar 2026 dürfen Unternehmen pauschal 20 % der förderfähigen Personalkosten als Gemeinkostenanteil zur Bemessungsgrundlage hinzurechnen — ohne Einzelnachweise. Das vereinfacht die Abrechnung erheblich und erhöht die mögliche Förderung.
💡 Bei 500.000 € Personalkosten erhöht sich die Bemessungsgrundlage automatisch um 100.000 € — zusätzliche Förderung je nach Satz: 25.000 € (große Unternehmen) oder 35.000 € (KMU).
I
Investitionsbooster JStG 2024 — ab 1.1.2026
Bezeichnung für das Paket an Verbesserungen, das durch das Jahressteuergesetz 2024 ab 2026 in Kraft tritt: Anhebung der Bemessungsgrundlage auf 12 Mio. € (von 10 Mio. €), Einführung der 20 % Gemeinkostenpauschale und Erhöhung des Eigenleistungs-Stundensatzes für Einzelunternehmer auf 100 €/Stunde.
💡 Der Name ist inoffiziell — er beschreibt das wirtschaftspolitische Ziel: private FuE-Investitionen steuerlich attraktiver machen.
K
Kleine und mittlere Unternehmen KMU EU-KMU-Definition 2003/361/EG
Unternehmen, die alle drei Schwellenwerte gleichzeitig unterschreiten: weniger als 250 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), Jahresumsatz unter 50 Mio. € oder Jahresbilanzsumme unter 43 Mio. €. KMU erhalten den erhöhten Fördersatz von 35 % (statt 25 %). Wichtig: Verbundene Unternehmen und Partnerunternehmen werden bei der Berechnung konsolidiert.
💡 Mezzanine-Finanzierungen, Wandeldarlehen und stille Beteiligungen können den KMU-Status gefährden. Lassen Sie den Status bei jeder Finanzierungsrunde prüfen.
L
Lohnsteuerliche Anmeldung in Deutschland § 2 Abs. 2 FZulG
Voraussetzung für die Förderfähigkeit von Personalkosten: Der Mitarbeiter muss in Deutschland zur Lohnsteuer angemeldet sein. Mitarbeiter in ausländischen Tochtergesellschaften oder remote-Mitarbeiter mit ausländischem Arbeitsvertrag sind nicht förderfähig, auch wenn das Unternehmen deutsch ist.
U
Unternehmen in Schwierigkeiten UiS Art. 2 Nr. 18 AGVO
Ein Unternehmen gilt nach EU-Beihilferecht als "Unternehmen in Schwierigkeiten" wenn es bestimmte finanzielle Kriterien erfüllt (z.B. mehr als die Hälfte des Stammkapitals aufgezehrt, Insolvenzantrag, oder Rettungsbeihilfe erhalten). Unternehmen in Schwierigkeiten sind von der Forschungszulage ausgeschlossen.
💡 Für viele junge Startups ist der UiS-Test kritisch — Verluste in den ersten Jahren können den Status auslösen, auch wenn das Unternehmen wirtschaftlich gesund ist. Prüfen Sie dies vor dem Antrag.
V
Verdeckte Gewinnausschüttung vGA § 8 Abs. 3 KStG
Eine Vermögensverlagerung von der GmbH an den Gesellschafter-Geschäftsführer, die nicht dem Fremdvergleich standhält. Relevant bei der Forschungszulage: Ein GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer kann seine Gehaltszahlungen nur dann als förderfähige Personalkosten ansetzen, wenn das Gehalt angemessen und per Anstellungsvertrag geregelt ist. Fehlt ein Vertrag oder ist das Gehalt unangemessen hoch/niedrig, droht eine vGA-Umqualifizierung.
Vollzeitäquivalent VZÄ
Maßeinheit für Arbeitskraft, normiert auf eine Vollzeitstelle. Ein Mitarbeiter mit 50 % Teilzeit entspricht 0,5 VZÄ. Relevant für die KMU-Definition (Schwellenwert: unter 250 Mitarbeiter in VZÄ) und für die Berechnung des FuE-Personalanteils.
Z
ZIM — Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand
Bundesförderung für Innovationsprojekte von KMU, parallel zur Forschungszulage nutzbar (Kumulierung möglich, aber es dürfen nicht dieselben Kosten gefördert werden). ZIM ist ein Zuschuss (nicht rückzahlbar), bietet aber wettbewerbliche Vergabe und ist nicht für alle Branchen geeignet.
💡 Forschungszulage und ZIM können für dasselbe Unternehmen, aber nicht für dieselben Projektstunden kombiniert werden.

Nächster Schritt

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